Dürre Erbsen, kranke Eier und valeriansaures Amyloxyd: Praktisches und Skurriles aus alten Köderrezepten

Cunning are my recipes, brewed with practised skill.
Pungent subtle odours waft from out the kitchen „still“.
(Aus: Lament of a Treacler von Richard L. E. Ford, 1948)

Im Gegensatz zum Lichtfang, bei dem die technischen Aspekte relativ standardisiert sind, gewährt der Köderfang der individuellen Kreativität viel breiteren Spielraum – vor allem beim Köderkochen.

Die heutigen Köderrezepte beschränken sich meistens auf Rotwein-Zucker- oder Bier-Zuckerrübensirup-Mischungen, je nach Geschmack mit überreifem oder gärendem Obst oder mit Honig kombiniert. Früher gab es eine größere Vielfalt, weil mangels weltumspannender Medien weniger Austausch stattfand und dadurch regionale und individuelle Gepflogenheiten stärker zum Tragen kamen. Nicht zuletzt wurden Köderrezepte manchmal geheimgehalten, weil die Ausbeute insbesondere von seltenen Arten eine nicht unbeträchtliche Einnahmequelle für Sammler wie Händler darstellte. J. Peter Maassen wollte in den 1870er Jahren einen Aufsatz über den Köderfang veröffentlichen, worauf ein Kollege[1] ihm nahelegte, „es sei eigentlich nicht rathsam, das Geheimniss des Bierköders an die grosse, gedruckte Glocke zu schlagen – das sei jährlich unter Brüdern 30, geschrieben dreissig, Thaler werth!“ (Maassen 1871).

In der Tat kann der Köderfang sehr ergiebig sein, früher natürlich noch mehr als heute, da der Arten- und Individuenreichtum im Abnehmen ist. Und trotz der verschiedenen Köderrezepte und der Abhängigkeit von biotischen und abiotischen Faktoren sind die Köderanflüge damals und heute immer noch besser vergleichbar als die Lichtanflüge, denn die Lichtfangtechnik hat sich seit dem Öllämpchen, der Petroleumlaterne und der Karbidlampe enorm weiterentwickelt.

So lohnt sich durchaus ein Blick in die Zeit, als man in den „guten“ Köderjahren wie 1905, 1906, 1911 oder 1913 an manchen Abenden einen Köderanflug von ca. 5.000 Faltern beobachten konnte (Hartwieg 1958). Barrett (1907) berichtet sogar von mehr als 5.000 Faltern an 100 Köderbäumen, von denen allerdings 90% Xestia xanthographa waren (England, Anfang September 1906). Brombacher (1916) beobachtete am 14. August 1915 im Elsaß an 30-40 Bäumen über 1.000 Mythimna pallens (maximal 66 Falter pro Baum). Fritz Rühl (1888) fand am 5. Juli 1887 bei Zürich-Hottingen innerhalb von 2 ½ Stunden über 500 Falter am Köder und sammelte 377 Exemplare in 43 Arten. Meise (1936) brachte es am 13. Juli 1935 in der Kirchhellener Heide auf 58 Arten am Köder.

Über ein ganzes Beobachtungsjahr oder länger ergaben sich entsprechend höhere Artenzahlen. Rey (1893) zählte von Mitte Juni bis Mitte September 1892 in Leipzig 115 Arten Noctuidae am Köder. Kuwert (1871) hat in Ostpreußen von Mitte Juli bis Anfang November 1870 an 30 Köderabenden 131 Arten Macrolepidoptera registriert. In den eingangs erwähnten Aufsätzen von Maassen (1870, 1871) werden aus der Umgebung von Wuppertal-Elberfeld 140 Arten für die Jahre 1869 und 1870 genannt (55 Arten von Ende August bis Mitte Oktober 1869; im Folgejahr 85 weitere Arten). Im Jahr 1881 fing der k. k. Rittmeister a. D. M. von Hutten-Klingenstein (1882) in Nagy-Bossán (Ungarn) 178 Arten am Köder (136 Noctuidae, 37 Geometridae, 6 sonstige). Bei seinen jahrzehntelangen Köderfangbeobachtungen im Raum Braunschweig kam Fritz Hartwieg (1958) auf 345 Arten Macrolepidoptera (249 Noctuidae, 70 Geometridae, 26 sonstige).

Kein Wunder also, daß man sich bemühte, den Köderfang zu optimieren und eigene Erfolge dann im Druck bekanntzugeben, wobei neben dem Sammlerstolz manchmal wohl auch Angeberei eine Rolle gespielt haben dürfte, und gelegentlich sicher auch die Absicht dahinter stand, potentielle Käufer und Tauschpartner darauf hinzuweisen, daß man die eine oder andere seltene Art gefangen hatte und abgeben konnte.

Nachdem Edward Doubleday in den 1830er Jahren bemerkt hatte, daß Nachtfalter von leeren Zuckerfässern angelockt wurden, die im Garten hinter seinem Laden abgestellt waren und nachts vom Tau befeuchtet wurden, ging man bald dazu über, in Wasser, später auch in Bier aufgelösten Zucker auf Baumrinde zu streichen. Daher stammen die englischen Begriffe sugar für Köder und sugaring für den Köderfang. Bald kam die Methode auch auf den Kontinent und man experimentierte mit Zutaten und Herstellungsverfahren.

An kühlen Abenden im Herbst und Frühjahr lohnt es sich, den Köder erst kurz vor der Exkursion zu kochen oder fertigen Köder nochmals aufzuwärmen, damit sich der Geruch besser ausbreitet.

Rezepte

Das folgende Gebräu wurde von Kameralförster Schirl in der von ihm erfundenen Köderfalle benutzt (Frauenfeld 1868):

Ich nehme einen ordinären unglasierten Lehmtopf in der Form eines Wasserkruges von 11-12 Zoll Höhe, bei 6-7 Zoll Dicke. Im glasierten oder Glastiegel hat mir die Gährung nicht gerathen wollen. Vor dem Gebrauch habe ich süsse Milch in demselben abgekocht, da danach die Gährung nicht so stark durchschweisst. In diesen Topf kommt reines Hopfenbier bei 2 Mass, am besten schon etwas säuerliches, da mit solchem die Gährung schneller eintritt. Ferner 1 Esslöffel Honig und 2 Handvoll dürre Erbsen, zuletzt kommt eine Brodscheibe aus Kornmehl, 5″ lang, 3″ breit, ¾“ dick, welche über Kohlen geröstet wird, bis sie stark angebrannt ist, klein zerbröckelt. Die begonnene Gährung merkt man besonders Abends an dem angenehmen Weingeruch und an dem Schaum, der sich zwischen den schwimmenden Brotbröckchen im Topfe bildet. Sie dauert in der Regel 12 und mehr Tage. Der Topf wird in dem Apparat mit feinem Organtin zugebunden.

Das ist aus heutiger Sicht schon sehr esoterisch. Die gewöhnlichen Methoden waren in Mitteleuropa der Apfelschnittenfang und der Streichköderfang. Für den erstgenannten folgt hier die Anweisung von J. Peter Maassen (1870), wie oben erwähnt „jährlich unter Brüdern dreissig Thaler werth“.

Ich nehme 1. eine Partie getrockneter Aepfelschnitzel, so wie man sie in den meisten Haushaltungen hat oder im Laden verkauft, und reihe sie vermittelst einer Packnadel, je 2 und 2, an starke circa 1 Fuss lange Bindfäden und knüpfe dann die beiden Enden eines jeden aneinander. Solcher Anreihungen mache ich 20-30 Stück und lege sie, wenn deren Gebrauch gemacht werden soll, einige Stunden vorher in einen Topf, worin sich durch Zucker oder Honig stark versüsstes Bier befindet, damit sie von dieser Flüssigkeit gehörig durchtränkt werden.

Im Elsass arbeitete Henri de Peyerimhoff (1872) ebenfalls mit Apfelschnitten, benötigte zwei Wochen zur Herstellung und nutzte die resultierende Flüssigkeit dann auch als Streichköder.

J’ignore si tous nos collègues connaissent la meilleure méthode de préparer les appâts. Voici comment je procède: je pèle et coupe en deux ou quatre morceaux, suivant la taille du fruit, des pommes de n’importe quelle espèce; j’enfile aussitôt les quartiers à un fort fil ou à de la ficelle mince, par chapelets de 15 centimètres de long; ces chapelets sont ensuite déposés, aussi serrés que possible, dans un vase quelconque, de verre ou de grès, et totalement recouverts de sucre fin; au bout de vingt-quatre heures, le sucre est fondu; on recouvre de nouveau les fruits de sucre fin, de telle sorte qu’ils nagent complétement dans leur propre sirop; on les y laisse passer une dizaine de jours, après quoi on les en retire par l’extrémité des fils qu’on a laissé pendre hors du vase et qui servent à suspendre les chapelets à l’ombre et à l’abri des mouches, afin qu’ils s’égouttent et sèchent durant une huitaine de jours. Ils sont de bonne qualité, quand au bout de quelque temps ils ont pris une couleur de chocolat clair et qu’ils restent visqueux à leur surface. On les conserve dans des boîtes de fer-blanc. Le sirop se met en bouteille et se conserve indéfiniment dans un endroit frais; il est excellent, mélangé à son volume d’eau, pour être frotté contre les arbres et les palissades. Ces deux appâts m’ont toujours paru si simples et si sûrs, que je n’ai songé à les remplacer par aucune autre méthode.

Im praktisch veranlagten Nordamerika machte man sich nicht so viel Arbeit. Otto von Meske beschrieb den Köder, der damals von deutschen Einwanderen in den USA verwendet wurde, kurz so (Speyer 1878):

Der Fangstoff ist aus englischem Ale (nicht Lagerbier) und Molasses (der geringsten Sorte von Syrup) zu gleichen Theilen zusammengemischt.

Ameisen lieben Köder und können, wenn sie in Massen auftreten, sämtliche Falter vertreiben. Hier teilen sich ein Ordensband (Catocala sponsa) und eine Ameise einen Tropfen Köderflüssigkeit.

Moritz von Hutten-Klingenstein (1882) gab dem Streichköder („Saft“) den Vorzug vor den Apfelschnitten.

Bei Anwendung verschiedener Lockmittel zum Zwecke des Fanges von Nachtschmetterlingen habe ich mich überzeugt, daß eine aus zwei Drittheilen Bier, einem Sechstheil Honig und ebensoviel braunem Syrup bestehende Mischung, mit welcher Baumstämme bestrichen werden, sich am besten bewährt. Unmittelbar vor dem Anstriche wurde jener Mischung noch etwas Apfeläther (baldriansaures Amyloxyd) beigesetzt; ein Zusatz von Rum oder Wein schien mir die Anziehungskraft des „Saftes“, wie ich die vorerwähnte Mischung kurzweg nennen will, zu beeinträchtigen. Entschieden nachtheilig erwies sich der unter der Signatur ,,Aether fructuum“ erhältliche dunkelgelbe, englische Fruchtäther von ananasähnlichem Geruche, welcher nach rascher Verdunstung seiner flüchtigeren Bestandtheile einen bitterschmeckenden Rückstand hinterläßt. An Apfelschnitten wieder habe ich niemals etwas gefangen, was ich nicht auch am Safte gefunden hätte, umgekehrt jedoch am Safte viel gefangen, was an Apfelschnitten sich nie gezeigt hat.

Dagegen schien ein anonymer Autor („H. L.“ 1888) die Apfelschnitten zu bevorzugen.

Zuvor die Zusammensetzung des Köders. Als solchen habe ich sowohl mit Aepfel- oder Birnenabschnitten besetzte und mit einer Schlinge zum Aufhängen versehene Schnüre, als auch sogenannten Schmierköder verwendet. Bedient man sich der Schnüre, welche auf etwa 20 Centimeter Länge 5 bis 6 Abschnitte Obst in Zwischenräumen von 3-4 Centimeter angereiht enthalten, so empfiehlt es sich, diese Schnuren 2 bis 3 Stunden vor dem Fang in die sogenannte Köderflüssigkeit zu legen. Die letztere setzt man am vortheilhaftesten aus einfachem Bier (nicht Lagerbier) mit verdünntem Honig und 2 bis 3 Tropfen Fruchtäther (Apfeläther) zusammen. Es entsteht hierdurch eine angenehm riechende, dem Aroma von Rheinwein ähnliche Flüssigkeit. Will man Schmierköder anwenden, so ist es praktisch, Backobst bis zum Brei zu kochen, und dieses mit der beschriebenen Flüssigkeit ebenfalls zu versetzen. Andere Zusammensetzungen, wie nur Bier mit Syrup, oder Obst allein, dürften nicht von gleicher Wirkung sein. Dagegen wendet ein Freund, der unmittelbar an einem sehr ergiebigen Sammelplatze (Laubwald) wohnt, mit bestem Erfolge auch Saft von Kirschbäumen, Eichen, Birken an, indem er denselben rechtzeitig im Frühjahr von saftenden Stämmen in untergesetzte kleine Gefässe sammelt und gelegentlich mit der oben erwähnten Köderflüssigkeit vermischt.

Baumsäfte sind eine natürliche Nahrungsquelle für viele Nacht- und einige Tagfalter; sie wurden daher schon früh von Entomologen verwendet. Das erwähnte auch Puhlmann (1891), bevor er dann sehr ausführlich auf seine Köderzutaten einging.

Zuerst wurden die Säfte der Buche und der Eiche hierzu benutzt. Besonders jüngere Buchen wurden im Frühjahr, wenn sie im besten Safte stehen, angeritzt und der ausfliessende Saft aufgefangen und in gut verschlossenen Flaschen aufbewahrt, damit die Gährung möglichst gering bleibt. Wenn man dies beobachtet, erhält man sehr wenig Harz und braucht keinen Zucker zusetzen, höchstens irgend ein Verdickungsmittel, wie Gummi oder Stärke. Dieser Köder hält sich sehr lange und fängt sehr gut, besonders an solchen Stellen, wo die Rinde entfernt ist. Wohl wenige ältere Entomologen ködern noch nach dieser Art und empfehlenswerth ist sie nicht, da ein zu grosser Schaden den Bäumen zugefügt wird, den man auf andere Art verhüten kann.
Bald lernte man in dem Honig ein bequemeres Mittel finden, wohl angeregt durch die Beobachtung, dass Acherontia Atropos hier seine Nahrung holt, oder durch eine gewisse Aehnlichkeit zwischen den Pflanzensäften und dem Honig.
Honig allein bildet ein geringes Ködermittel, wirkt aber, wenn er längere Zeit angestrichen ist, bedeutend besser.
Man setzte deshalb zuerst in Amerika dem Ale Honig oder auch Zucker zu und war mit den Erfolgen zufrieden.
Da die deutschen Biere zu wenig Alkohol haben, so setzte man ihnen Alkohol als Rum u. s. w. zu, um möglichst schnell der umgebenden Luft das Aroma des Köders mitzutheilen. Um dies in noch höherem Grade zu erreichen, setzte man Aepfeläther zu, oder liess die Flüssigkeit vor dem Alkoholzusatz gähren. Letzteres ist umständlich, da man den Köder schon immer 14 Tage vorher fertig machen muss, ausserdem darf man nicht gleich zu viel Honig oder Zucker zusetzen.
Der Apfeläther ist eine leicht bewegliche Flüssigkeit vom Siedepunkt 196°. Man verlangt in vielen Recepten von diesem Aether, dass er frei von Fuselöl sei, während man anderseits angiebt, Rum zuzusetzen, der nach guten Analysen im Hektoliter 344 Gramm Fuselöl enthält. Wenn man daher guten Apfeläther hat, so thut man gut, fuselfreien Branntwein oder Schnaps zuzusetzen. Da der Apfeläther sehr theuer ist, so bin ich zum Birnenäther übergegangen, der ziemlich billig ist und leicht rein dargestellt werden kann. Deshalb, wegen seiner Reinheit und Billigkeit, benutzt man ihn auch als Brennflüssigkeit zu der nach ihm benannten Amylacetatlampe, die beim Messen der Lichtstärke als Lichteinheit dient. Zu diesem Zwecke wird auch der Birnenäther, dessen chemischer Name Amylacetat ist, in grösserer Menge dargestellt, so dass 100 Gramm blos 60–100 Pfg. kosten. Ein weiterer Vorzug ist auch, dass sein Siedepunkt (148°) beinahe 50° tiefer liegt, und daher eine weit schnellere Verdampfung erzielt wird. Trotzdem zeigte sich aber wieder beim Ködern, dass er sich viel länger als Apfeläther hält, welches man leicht wahrnehmen kann, wenn man dem Apfeläther etwas Birnenäther zusetzt, so zuletzt der reine Birnenäther übrig bleibt. Ich theilte nun meine Erfahrungen dem Entomologenverein mit, und wir haben jetzt seit 3 Jahren mit einigen Abänderungen gefunden, dass der Birnenäther bei weitem dem Apfeläther vorzuziehen ist. Ich will weiter hier einige Recepte zur Bereitung und Verwendung des Köders geben, wie wir ihn während der langen Jahre als praktisch und billig gefunden haben. Wir verwenden zwei Köderarten, einen dicken und einen dünnen. Der dicke Köder wird beim ersten Anstrich verwendet, da wir immer 5–10 Tage an demselben Orte ködern. Der dünne Köder wird zum Ueberstreichen des alten Köders an den nachfolgenden Tagen verwendet. Die Zubereitung beider Köderarten ist die gleiche, blos wird der eine stärker eingekocht. Wir nehmen eine beliebige Menge Koch- oder Sandzucker und setzen so viel Bier zu, dass die ganze Masse einen dicken Brei bildet. Nun lässt man dies ruhig an einem nicht zu heissem Orte kochen, am besten in einer Bratofenecke. Diese Masse schäumt stark, deshalb muss man von vornherein ein genügend grosses Gefäss nehmen. Nach einer Stunde ist sie für den dünnen Köder genügend eingedickt; sollte er zu dick schon sein, so setzt man die nöthige Menge Bier zu. Es darf sich aber unter keinen Umständen beim Erkalten Zucker abscheiden, wenn dies geschieht, muss man weiter erhitzen, nachdem man etwas Bier zugesetzt hat, um dem Zucker die Fähigkeit, auszukrystallisiren, zu nehmen. Um nun den ganz dicken Köder zu bereiten, lässt man noch eine Stunde langsam kochen. Die Zuckerlösung wird dann ganz dunkelbraun und ist dann schon in der Wärme halb dickflüssig. Beide Köderarten giesst man nach und nach kochend in die Gläser, da der Zucker in der Wärme viel leichtflüssiger ist und so weniger zurückbleibt. Um das Springen der Gläser beim Eingiessen zu vermeiden, verfährt man am besten folgender Art. Man giesst erst einige Tropfen der heissen Flüssigkeit auf den Boden, dann noch etwas, und lässt dies an alle Wände herumlaufen, so dass sie alle benetzt sind. Nun kann man ruhig den ganzen Rest auf einmal eingiessen. Jetzt lässt man ruhig erkalten, giebt dann auf ¼ Liter 40 Tropfen Alkohol zu und 20 Tropfen Birnenäther und nun ist der Köder gebrauchsfertig.
Man kann auch statt des Zuckers Honig nehmen, doch ist die Wirkung die gleiche. Auch kann man den Alkohol ganz weglassen, doch ist dies nur ungern zu thun. Ich denke hiermit manchen Entomologen geholfen zu haben und möchte sie nur noch vor einigen Mitteln warnen, um ihnen Enttäuschungen zu ersparen. Es handelt sich hier um Verdickungsmittel, es sind als solche als zuverlässig blos Gummi arabicum und Leguminose und Leim bekannt; am besten ist es, sie ganz wegzulassen, niemals ist aber Kleister und dergleichen anzurathen, da diese schnell durch Zersetzung den ganzen Köder verderben Ich habe auch weitere Versuche gemacht, einen Köder aus Mehl und Salzsäure und anderen Produkten darzustellen, hatte damit aber keinen Erfolg. Ebenso hatte ich statt Birnen-Aether andere aromatische Aether genommen und angefangen, eine Liste aufzustellen über die Arten und Menge der Schmetterlinge, die ich bei Zusatz der einzelnen Aether fing. Doch bin ich bis jetzt noch nicht mit meinen Versuchen fertig, will blos erwähnen, dass die Catocalaarten besonders den Oenanthäther zu lieben scheinen.

Hmmm, „Köder aus Mehl und Salzsäure […] hatte keinen Erfolg“. Experimentierfreudig waren die Leute im fortschrittlichen 19. Jahrhundert schon, das muß man ihnen lassen.

Manchmal laben sich selbst Raupen am Köder wie diese Eilema griseola in einem Bruchwald in der Oberrheinebene.


Zucker ist nicht gleich Zucker

Über den zu verwendenden Zucker gab es zum Teil recht eigenwillige Ansichten, etwa von Holland (1892).

The sugar I use is „Egyptian raw“, a date sugar. This is very dark and strong stuff, sand-like, and free from lumps, and it mixes easily without boiling. I simply mix it with beer, and then add a drop or two of essence of pears just before starting out. No rum, there is rum enough in good sugar, and to add more is only to make the moths drop off before they can be bagged. „Jamaica foots“ is a good sugar too, but it is lumpy and needs boiling. Old black treacle will do fairly well as a bait, but „golden syrup“ I believe to be a fraud. Beetroot sugars, or refined sugars, are of course bad, and if I am somewhere where i can get only these, then, and then only, I add rum.

Noch enthusiastischer sprach sich P. B. M. Allan (1947) in seiner unnachahmlichen Art für die seiner Meinung nach geeignetste Zuckersorte aus – aber man beachte die in der 2. Auflage seines Buchs hinzugefügte Fußnote.

The first essential to successful moth-hunting, then, is knowing how to prepare your sugar. And the first and last essentials of sugar are sugar – just as, in the Duke of Wellington’s words, the first, second and third essentials of a successful army are boots. It is necessary, therefore, for you to use the right kind of sugar. Necessary? Vitally necessary*; for much of the sugar sold in the shops to-day is made from beetroot, and where beet-sugar is concerned, Noctuae pass by on the other side.
And what kind of sugar must you use? Brown Barbadoes, my boy. Eschew every other kind as the root of all evil where sugaring is concerned. Brown Barbadoes, my lad, fresh from the docks, straight out of the ship’s hold, moist and sticky, the kind of stuff that makes cockroaches run amok, the sort of thing that causes every moth with a Latin name to exclaim, ‚Odoratissimum mehercules saccharum!‘ – ‚My hat, what glorious-smelling sugar!‘ Pawn the family plate, sell your pictures, outrun the constable, drive your banker to despair; but buy Brown Barbadoes as though your entomological career depended upon it. As indeed it does if you would catch moths. Pay no heed to what your grocer tells you: clap a killingbottle to his head and bid him stand and deliver Brown Barbadoes in abundance. Rest not night nor day till you have procured Brown Barbadoes.
– You have been to Barbadoes? Good; then you will agree with me when I say that it is one of the pearls of the British Empire, and you will recall that when news of the outbreak of war reached the island in 1914, the legislature cabled to Whitehall ‚Get to it, England; Barbadoes is with you.‘ No wonder Barbadoes produces the ne plus ultra, the beau idéal, the Clifden Nonpareil of sugar – for the moth-hunter.
And when you have procured a hogshead, or at least a pound or two, of Brown Barbadoes, what then? Ah, there’s the rub. Your task is now to convert it into such ambrosia as would have attracted Bacchus Rubicundus himself. How to do this? Demand from your grocer the particular brand of treacle which Mr. Fowler imports from the West Indies. Use no other, or your purchase of Brown Barbadoes will have been in vain. Buy a 1-lb. tin of Mr. Fowler’s treacle and allow its contents to subside into a saucepan. Add 2 lbs. Brown Barbadoes and half a pint of water, drawn straight from the cold tap. Stir well, and heat over a fire, gas-ring or primus stove, till your mixture is boiling gently. Keep it just boiling for four minutes by your watch; then put the saucepan aside to cool. And see to it that you do your brewing as late as possible. The sugar should be just cool when the time comes for you to start for your beat.
You must keep stirring all the time your mixture is over the fire, and you must leave the spoon in it when you set it aside to cool. And every so often you must stir it to dissolve the scum. On no account must you skim it: the scum will dissolve when you stir. And when it is lukewarm (not hot) – that is to say, just when you are about to start – you must add to it one teaspoonful of old Jamaica rum, and stir well.
Why do I say old Jamaica? Well, get a bottle of old Jamaica and a bottle of any new rum, and put a pannikin of each under your nose. . . . You prefer the old Jamaica? Of course; so do Prasina, Tincta & Co. Even pronuba knows what’s what in the matter of rum.

* The sophisticated lepidopterist will chuckle at this; for – to their shame be it said – moths have depraved tastes; sugar qua sugar is not essential to attract them. They will feast readily on almost any kind of organic sweet stuff. Extract of malt, fermenting fruit, glycerine laced with synthetic flavouring essence, putrefying soapsuds – all these will attract the Noctuae. But I let the passage stand, as in my palmy days I used to regard the ‚brewing‘ of sugar as no small part of the sport of sugaring.

Je nach Standort konnte man von landestypischen Produkten profitieren, wie Felix von Cube (1907) von seinen Frankreich-Reisen erzählt.

Der von mir gebrauchte Köder besteht aus ⅓ Honig oder Fruchtsaft und ⅔ Bier, eine Mischung, die ich meistens 3-4 Wochen vor dem Gebrauch ansetze. In Südfrankreich, wo in den grösseren Städten das Candieren von Früchten fabrikmässig betrieben wird (fruits confits), habe ich mich stets der Fruchtabfälle samt der Melasse versichert, die man fast umsonst erhält und die ich dem Honig beinahe vorziehen möchte. Unmittelbar vor dem Gebrauch des Köders setze ich ihm (auf ½ Liter) einige Tropfen valeriansaures Amyloxyd (Merk, Darmstadt) oder Birnen- oder Apfeläther zu.

Es sind in der Tat nicht immer die Standard-Rezepte, die Erfolg versprechen. Zu seinem oben erwähnten Köderrekord von 58 Arten am 13. Juli 1935 erklärte Meise: „Als Ködermasse wurden Bonbons-Rückstände mit etwas Apfeläther benutzt.“

Victor Knoch (1925) dagegen hielt sich an Kuchensirup.

Ich habe wohl alle Rezepte zur Herstellung der Ködermasse ausprobiert, die hier und da angepriesen werden, bin aber immer wieder auf meine alte einfache Vorschrift zurückgekommen. Gewöhnlicher Kuchensirup, etwa zur Hälfte mit Wasser verdünnt, so daß er nicht zu dick und auch nicht zu dünnflüssig ist, und auf die oben beschriebene Flasche ein kleiner Schuß Birnenäther, – alles andere ist vom Uebel. Gäriges Bier, Rum und was sonst noch empfohlen wird, hat mir nicht die Erfolge gebracht, wie die obige einfache Vorschrift. Auch mit anderen Aethersorten (Apfel-, Himbeer- etc. Aether) habe ich es versucht, bin aber stets wieder auf Birnenäther zurückgekommen. Auch nicht nur einige Tropfen, wie es meistens heißt, sondern ein kleiner Schuß davon ist zu empfehlen, allzuviel natürlich auch hier nicht ratsam. Im Kriege, als Sirup manchmal nicht aufzutreiben war, habe ich mit allen möglichen Süßigkeiten geködert, sogar mit verdünnter Marmelade. Letzteres mit recht gutem Erfolg. Der Marmeladenköder hat sogar noch einen Vorteil; man kann denselben Anstrich mehrere Tage hintereinander benutzen ohne neu zu streichen, da die Marmelade, wenn es am Tage nicht besonders heiß ist, verhältnismäßig langsam eintrocknet.

Der Stoff, aus dem die Köderträume sind. Als Jugendlicher war dies ein Hauptbestandteil meiner Ködermischungen. Ich bekam das Zeug günstig, weil ich in den Schulferien in den Plantagen der Herstellerfirma jobbte und mischte es meistens mit Malzbier und zermatschten Bananen.

Oft wurde auf preisgünstige Zutaten Wert gelegt. Best (1913) machte genaue Mengen- und Preisangaben.

Zum Köder verwende ich zum Bestreichen von 40-50 Bäumen 125 Gramm gewöhnlichen braunen Syrup (10 Pfg.), ca. 5-8 Gramm Apfeläther (5 Pfg.), d. h. für die ersten 20-25 Bäume die Hälfte Aether und den Rest für die letzten Bäume, hierzu kommen noch 1-2 Eßlöffel voll altes, abgestandenes Bier.

125 Gramm für 40-50 Bäume ist sehr genügsam. Das können keine großen Köderflächen gewesen sein, jedenfalls keine, die den halben Baumstamm umspannen, wie man sie vor allem bei wechselnden Windverhältnissen gern anlegt, weil die Falter vor allem auf der windabgewandten Seite der Stämme sitzen.

Ähnlich sparsam klingt das Rezept von Redlich (1889), der seinen Köder in 200-Gramm-Fläschchen abfüllte.

½ Liter Honig wird mit 1/6 Liter bayrischen Bieres (gewöhnliches Lagerbier) gut eingerührt und an mässig warmer Stelle 3 bis 4 Tage lang stehen gelassen, bis die Gährung vorbei ist. Nun wird die Masse in Glasflaschen gegossen, – ich benutze hierzu gewöhnliche Arzneigläser von 200 Gramm Inhalt – und werden sodann auf das Ganze folgende Zusätze gegeben
1. Zwei Esslöffel Gummiarabikum, welcher vorher in Wasser zu einer dickflüssigen Masse gelöst ist.
2. Einen Esslöffel guten, echten Jamaica-Rum.
3. Einen Esslöffel besten, fuselfreien Aepfeläther.
4. Einige Stückchen gestossenen, harten Zucker.
Das Ganze wird gut verkorkt, tüchtig umgeschüttelt und ist sodann zum Gebrauche fertig.

Manche Sammler hielten es für effizienter, ködergetränkte Leinwandstücke an die Bäume zu heften, so etwa Melzner (1914).

Das Streichen der Baumstämme unterlasse ich seit neuerer Zeit ganz. Ich habe eine bessere und sparsamere Methode gefunden. Ich benutze nur mehr rechteckige Fleckchen 15 x 25 aus Wachsleinwand, wie man sie käuflich zu Tischdecken usw. erhält. In jedem dieser Fleckchen – 50 bis 80 Stück – befestige ich eine Stecknadel aus Stahl durch mehrmaliges Durchstechen, so daß ich sodann das Fleckchen bequem an jedem Stamm, Zaun, Brett oder Pfahl anstecken kann. Die Nadel bleibt für immer in den Stückchen Wachstuch. Diese Wachstuchflecke tränke ich in einem Köder aus frischem trinkbarem Braunbier, welches mit Zusatz von etwas reinem Bienenhonig und schwarzem Kandiszucker dicht eingekocht ist. (Tropfbier nehme ich absichtlich nicht, da es bald sauer wird und an Anziehungskraft verliert.) Einige Tropfen schwarze Tinte füge ich dem Köder bei, um ihn möglichst dunkel zu machen, damit die weiße Wachstuchunterseite nicht mehr so abstechend wirkt. Meiner Ansicht nach sitzen Eulen sehr unruhig auf hellen Gegenständen und fliegen beim Ableuchten mit der Laterne gerne ab. Einige Tropfen Apfeläther setze ich kurz vor Gebrauch zu. Die so getränkten Wachstuchstücke bewahre ich in einer Blechkapsel bis zum Gebrauch auf. An die Bäume hefte ich diese mit der wachsüberzogenen Seite nach der Rinde gekehrt, an. Die Fleckchen legen sich sodann ganz dicht um die Rinde. Nach dem Fang werden diese wieder eingesammelt. Sie lassen sich nach einmaligem Tränken 3-4 Monate benutzen und nehmen beim Transport sehr wenig Raum ein.

Und ganz ähnlich Wolff (1924).

Ein alter Schmetterlingssammler, Paul Hiller, der vor langen Jahren in England den Köderfang betrieb, verriet mir vor ca. 25 Jahren ein Rezept zum Köderfang, das ich wegen seiner Vorzüglichkeit gern bekannt geben will: Brauner Zuckerkandis oder noch besser indischer Rohrzucker wird mit abgestandenem Bier gut begossen und unter Zugabe eines Löffels Rum zu einem Brei eingekocht. – Diesen Brei streicht man dann auf handgroße Lappen und gießt vor dem Aufhängen derselben noch einige Tropfen Apfeläther des schönen Geruches wegen darauf. Nach getaner Arbeit nimmt man die Lappen ab und legt sie in eine mitgenommene Blechbüchse, so daß man die Lappen immer wieder gebrauchen kann. Nur ab und zu sind einige Tropfen Apfeläther nachzugeben.

Übrigens sind die heute so beliebten Köderschnüre keineswegs, wie manche Leute glauben, eine neuere Erfindung des 20. Jahrhunderts, sondern wurden schon in den 1870er Jahren als eine damals gebräuchliche Methode erwähnt, wie aus den letzten Sätzen der kurzen Köderfang-Anleitung von Sanitätsrat Arnold Pagenstecher (1877) hervorgeht:

Die Nachtschmetterlinge sind überraschend leicht anzulocken und an Plätzen und zu Zeiten, wo starkriechende Blumen seltner sind, gelingt es unschwer, durch Anstreichen von Bäumen mit einem süssen Safte und dergleichen sie an bestimmten Localitäten zu versammeln. Vielfach wird hierzu benutzt Rohrzuckersyrup mit Rum versetzt zu einer dicklichen klebrigen Masse, hie und da wohl auch mit Apfeläther. Besser noch scheint sich stark versüsstes Bier zu eignen, welches man auf glatte Baumrinden an Bretterwänden aufstreicht oder womit man Schnüre von aneinandergereihten Apfelschnitzen oder selbst einfache Seilstricke tüchtig durchtränkt. Hängt man letztere dann zwischen Bäumen und Aesten im Freien auf, so wird der Erfolg selten ausbleiben, wenn nur die Witterung einigermassen günstig ist und man geeignete Plätze ausgesucht hat.

Köderschnüre gelten als die effektivste Ködermethode. Voraussetzung ist allerdings, nur Schnüre aus chemisch unbehandeltem Hanf zu verwenden und die Schnüre bis zu einer Dicke von 3-5 mm zu drehen/flechten. Von Nachteil ist, daß sich beim Abnehmen eines Falters oft viele andere fallenlassen, und daß Sammelbehälter leichter verunreinigt werden als beim Streichköder, vor allem unter windigen Bedingungen.

Ködern bei Tag

Eine eigentümliche Methode, tagfliegende Eulen zu ködern, beschrieb Fritz Rühl in seiner seltenen Abhandlung „Der Köderfang der europäischen Macrolepidopteren“ aus dem Jahr 1892.

Ein weiteres gutes Rezept zur Bereitung eines Köders für die am Tage fliegenden Eulen besteht aus Weidenkätzchen. Man sammelt im Frühjahr eine Partie derselben ein, sucht sie, zu Hause angekommen, sorgfältig nach den etwa darin verborgenen Räupchen durch, wobei namentlich viele Xanthia-Raupen gefunden werden, kocht dann die Kätzchen mit reichlicher Zugabe von Zucker zu einem zähflüssigen Extract, den man in einem hermetisch verschlossenen Glase im Keller verwahrt. Vom Juni bis September, der besten Zeit zur Betreibung dieses Köderfanges, besucht man in den Mittagsstunden Waldblösen oder an Waldungen grenzende sonnige Wiesen, versehen mit ca. 12 dicken Schnüren, die mindestens 2 Stunden lang in dem Weidenkätzchen-Extract mit Zusatz von Bier oder Aether gelegen haben und hängt diese Schnüre in Höhe von 20-30 cm auf. Die am Tage fliegenden Eulen kommen aus weiter Entfernung an diesen Köder.

In seiner 471 Arten umfassenden Liste hat Rühl die Cucullia-Arten mit der Anmerkung „sämmtlich am Weidenkätzchen-Köder“ versehen, und auch bei den tagaktiven Schwärmern Macroglossum stellatarum, Hemaris fuciformis und Hemaris tityus und bei Autographa bractea und Panchrysia deaurata findet sich der Zusatz „Weidenkätzchen-Köder“.

Diese Methode habe ich nirgends sonst erwähnt gefunden. Man fragt sich, warum Rühl sie nur bei Tag anwendet (Weidenkätzchen werden tags und nachts von Insekten besucht) und ob der übliche Köder tagsüber nicht genauso wirkt. Tagfalter wie der Admiral, Wespen und Hornissen sitzen tags an Köderstellen, sofern der Köder nicht eingetrocknet ist. Ob der Weidenkätzchen-Sud überhaupt nötig ist, wenn Rühl ohnehin noch Zucker und Bier dazugab?

Irreführende Ingredienzien

Eine bemerkenswerte Zutat findet in einem Aufsatz von Fritz Hartwieg (1909) Erwähnung. Ich habe lange darüber gegrübelt, als ich das zum ersten Mal las.

Ich benütze seit Jahren ein Gemisch von dunklem Bier und Rübensaft im Verhältnis 2:1, ab und an gebe ich noch etwas Zucker hinzu oder auch einmal ein paar Tropfen kranke Eier; ein bestimmtes Rezept habe ich nicht für diese Zubereitung; je nach Vorrat und Gutdünken.

Dazu erklärte Hartwieg (1911) später:

In diesem Artikel finden sich einige Druckfehler, deren Berichtigung zwar zugesagt war, aber nicht erfolgte. Es ist hier Gelegenheit, eines darin […] enthaltenen sinnentstellenden Druckfehlers um deßwillen zu gedenken, weil er einem hiesigen Sammler, der dem Wortlaute gläubig folgte, einen argen Verdruß daheim und im Walde verursacht hat. Dort steht, daß ich ab und an dem Köder auch ein paar Tropfen „kranke Eier“ zugefügt hätte, soll heißen „Arrak“, wovon ich übrigens ganz abgekommen bin. Besagter Sammler tat also ein faules Ei in den Köder, verpestete zunächst zum großen Aerger seiner Frau die Wohnung damit, zog mit diesem seiner Meinung nach sicheren Erfolg verheißenden Zaubertrank in den Wald und vertrieb mit dem bestialischen Geruch jedes Tier.

Was für eine Handschrift muß man haben, wenn „Arrak“ als „kranke Eier“ verlesen werden kann? Oder war vielleicht der Setzer betrunken? Zuviel vom Rumköder gekostet?

Es liegt mir fern, Werbung für alkoholische Modegetränke zu machen, zumal dieses hier ziemlich mäßig schmeckte. Aber es zeigte sich wieder, daß Ordensbänder einfach keinen kultivierten Geschmack haben sondern wie diese beiden Catocala fraxini mit beinahe jedem beliebigen Gesöff vorlieb nehmen. Vladimir Nabokov fand in Südrußland ein Blaues Ordensband an einem toten Fisch rüsselnd; das sagt schon alles.

Man sieht, es gab viele Rezepte, die von individuellen Köderfangerfahrungen ebenso bedingt wurden wie von der regionalen und zeitgenössischen Verfügbarkeit der Zutaten und vom Geldbeutel des Anwenders.

Heute hat man eine größere Auswahl, aber welche Weinsorte oder welche Sorte Bier, Sirup oder Honig man verwendet, welche weiteren Zutaten man eventuell dazumischt, das ist ein dermaßen weites Experimentierfeld, daß wohl die meisten Köderfänger bei der Rezeptur bleiben, die ihnen einmal Erfolg gebracht hat. Ich hätte sicher nicht die Ausdauer, beispielsweise zwanzig verschiedene Honigsorten durchzuprobieren. Einmal haben wir einen nicht-repräsentativen Vergleich von Rotwein-Zucker-Köder und Malzbier-Sirup-Köder durchgeführt und an einem divers gestalteten Waldrand im mittleren Neckarland je 8 Bäume abwechselnd damit bestrichen. Das Ergebnis war so ernüchternd wie interessant: Am Rotweinköder flogen 7 Arten in 11 Individuen an, am Bierköder ebenfalls 7 Arten in 11 Individuen. Es war also ein glattes Unentschieden (allerdings saß die einzige Catocala fraxini am Rotweinköder). Wie gesagt, statistisch natürlich nicht verwertbar; man müßte wesentlich mehr Versuche anstellen. Was wir nach diesem Ergebnis – das wir in etwa so erwartet hatten, wenn auch nicht aufs Individuum genau – allerdings nicht getan haben.

Literatur
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Wolff, H. (1924): Der Köderfang. – Internationale entomologische Zeitschrift [Guben], 18: 11-12.

 

[1] Es war wohl Gustav Weymer.

 

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