OT: „Der salzige Geschmack des Seewassers“ – Kommentar zur Coronavirus-Pandemie

Wir leben in herrlichen Zeiten. Die Wirtschaft boomt, Arbeitsplätze und Renten sind sicher, die Kriminalität geht weiter zurück, die Umwelt wird respektiert und geschützt, in den großen Weltmächten sind verantwortungsvolle und vernünftige Staatsmänner am Ruder und politische Weitsicht gewährleistet eine medizinische Versorgung und Behandlung für die gesamte Weltbevölkerung …

So sehen Utopien aus. Oder Märchen, die man sich vielleicht in ferner Zukunft über die 2010er und 2020er Jahre erzählen wird.

Ich bin zwar kein Anhänger von Lovelocks Gaia-Hypothese, aber manchmal hat man schon den Eindruck, als ob der Planet versucht, sich des gefährlichsten Schädlings zu entledigen, den die Evolution jemals hervorgebracht hat: des Homo sapiens.

Eines der Argumente, die für die Gaia-Hypothese vorgebracht wurden, war die Aufrechterhaltung eines konstanten Salzgehalts in den Ozeanen der Erde über Jahrmillionen hinweg. Das ist kritisch diskutiert worden und wird heute soweit ich weiß als wenigstens teilweise widerlegt angesehen. Auch in anderen Punkten gibt es Kritik, aber die Vorstellung unserer Erde[1] als Gesamtorganismus hat schon etwas Anziehendes. Leider auch für Esoteriker jeder Couleur, die die Hypothese in ihren Details gar nicht richtig kennen oder verstehen, aber das Konzept gerne aufgreifen, weil es in ihr Weltbild paßt.

Nachdem nun einer unserer kleinen – winzigkleinen – Mitbewohner dieses Planeten begonnen hat, sich als Schädlingsbekämpfer zu betätigen, liest und hört man allenthalben nur noch über das Coronavirus – oder über den Coronavirus?
Das Virus?  Der Virus?  Da lohnt es sich, mal nachzuschlagen.
Ich hatte noch das Glück – andere würden es als Pech auffassen – in der Schule Latein lernen zu dürfen, eine rundherum interessante Sprache, die nicht nur eine hervorragende Basis für alle anderen romanischen Sprachen ist, sondern sich auch für das Verständnis der wissenschaftlichen Tier- und Pflanzennamen als ungemein nützlich erweist. Auch für das Kronenvirus (corona = Krone).
Seit Jahrzehnten steht mein abgegriffenes altes Langenscheidt-Taschenwörterbuch Latein neben mir am Arbeitsplatz. Das große Handwörterbuch steht ein Stockwerk höher irgendwo tief hinten im Regal. Also der Blick ins Taschenwörterbuch; und der bringt Klärung über das grammatikalische Geschlecht: Neutrum.

Lateinische Wörter haben oft eine erstaunliche Vielzahl von unterschiedlichen Bedeutungen, weshalb man immer den Kontext beachten muß. Hier hat die Bedeutung 2 („Gift“) für die moderne Verwendung des Wortes Pate gestanden. Bedeutung 1 („Schleim“) paßt auch gut ins Bild. Aber die dritte Definition kam für mich unerwartet: „Der salzige Geschmack des Seewassers“? Hmm. Ob die Römer Gifte hatten, die so schmeckten? Jedenfalls rief mir diese Bedeutung die Gaia-Hypothese in Erinnerung.

Eins scheint jetzt schon festzustehen: Es werden genug von uns übrigbleiben, um die Zerstörung dieses Planeten fortzusetzen. Nice try, Gaia. Better luck next time.


[1] Gaia ist die personifizierte Erde in der griechischen Mythologie.
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Eine Antwort zu OT: „Der salzige Geschmack des Seewassers“ – Kommentar zur Coronavirus-Pandemie

  1. Gilbert schreibt:

    Verzeihung, aber Gaia versteht wegen der jahrtausendelangen Prägung weitgehend unverfälschte Ursprachen besser als romanokeltogermanisches Englisch: gälische, ugrische, Latein, Altgriechisch, Deutsch besonders in Dialekten.
    Für die außereuropäischen Sprachen kann ich nicht sprechen, mit denen kenne ich mich nicht aus.

    Liken

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