„Widerlich Homburg“ und Scan-Pest – Warum ebay nicht mehr ist, was es mal war

Ebay war mal eine wirklich tolle Idee. Aber das ist Jahre her. Mittlerweile macht es keinen Spaß mehr, dort zu stöbern und zu suchen. Daß man die Auktionen zugunsten von Festpreisen oder Preisvorschlägen aufgegeben hat, ist zu verschmerzen: Gerade am Ende der Auktionen immer dabeizusein, zu manchmal unpassenden Tages- oder Nachtzeiten, war auf Dauer ungünstig. Die Biet-Assistenten, die man sich installieren konnte, haben auch nicht viel gebracht. Wirkliche Schnäppchen waren schon lange nicht mehr möglich.

Aber wirklich von Ebay entfremdet hat mich diese Entwicklung: Neuerdings werden anstelle von antiquarischen Büchern moderne Nachdrucke angeboten, die auf mehr oder weniger schlechten oder unvollständigen Scans dieser Bücher beruhen. Inzwischen sind ja viele der alten Werke digitalisiert und können im Internet heruntergeladen werden. Das tun manche Anbieter und stellen das Zeug dann bei Ebay ein. Ich weiß nicht, ob es wirklich einen Käuferkreis für solche Ausdrucke gibt – schließlich kann man sich die kostenlosen Scans ja leicht im Internet ergugeln. Leider sind es nur allzu oft alte Scans der ersten Stunde, die fehlerhaft sind: schlecht gescannt, manchmal kaum leserlich, Farbtafeln im Schwarzweiß-Grafikmodus gescannt, so daß sich nur eine schwarze Kleckserei ergibt, fehlende Seiten, fehlende Tafeln, unvollständige Bücher, und natürlich der auch heute noch weitverbreitete Dauerbrenner: gefaltete Tafeln werden nicht auseinandergefaltet sondern im zusammengefalteten Zustand gescannt!
Es ist eine grandiose Zeitverschwendung, die Ebay seinen Kunden da verursacht. Nicht nur, daß man mit diesen book-on-demand-Scans aus den genannten Gründen meist nichts anfangen kann; wer wirklich das antiquarische Buch sucht, muß sich seitenweise durch diese minderwertigen Scans wühlen, um dann unter Umständen festzustellen, daß gar kein Original angeboten wird. Und es gibt keine Möglichkeit, diese book-on-demand-Scans abzuschalten oder irgendwie von den echten Büchern zu trennen. Die einzige Abhilfe ist, sämtliche Händler, die solchen Müll anbieten, in eine Ausschlußliste zu schreiben. Auch das kostet Zeit und muß immer wieder ergänzt und aktualisiert werden.

Hier ist meine gegenwärtige Ausschlußliste. Vielleicht können Sie die gebrauchen. Aber vielleicht haben Sie schon eine eigene.

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Kann es noch schlimmer kommen? Ja, es kann. Ich bin mir nicht bewußt, irgendetwas in meinen Einstellungen verändert zu haben, aber im Gegensatz zu früher zeigt ebay jetzt die meisten Artikeltitel anstatt in der Originalsprache in unverständlichem Kauderwelsch an. Anfangs bekommt man einen Schreck: Wo bin ich denn hier gelandet? Ist das ein Virus? Hab ich eine falsche Taste gedrückt? Wie kriege ich diese kaputte Anzeige wieder repariert? Nach vielen vergeblichen Versuchen merkt man: Man kriegts nicht repariert. Es ist offenbar Absicht.

Hier ein Beispiel aus den Ergebnissen zum Suchbegriff „Lepidoptera“:

Abgesehen von dem grammatikalisch falschen aber trotzdem noch deutbaren Teil „Raupen des britischen Schmetterlinge“ bleibt diese Pseudoübersetzung unverständlich. Den Originaltext erhält man erst, wenn man dem Link folgt und die Details anschaut:

Der Autor ist Robert South, das erklärt „von Süden“.
Die 68 Farbtafeln – colour plates, abgekürzt col plts – ergeben aufgrund von wer weiß was für Algorithmen oder Programmierungsfehlern „Col widerlich“. Na gut. Nun haben wir gelernt: Bei Ebay bedeutet „widerlich“ soviel wie Tafeln. Und die zweite Lektion folgt sogleich: „Homburg“ bedeutet Lepidoptera. Wer hätte das gedacht?

Tatsächlich übersetzt Ebay Lepidoptera immer mit Homburg. Ein weiteres Beispiel:

Gemeint ist:

Wenn die colour plates ausgeschrieben sind, werden sie richtig angezeigt – aber nicht übersetzt. Widerlich sind sie nur in abgekürzter Form.

Umgekehrt geht es übrigens nicht: Wenn man nach „Homburg“ sucht, erhält man nur echte Ergebnisse zu Homburg, keine zu Lepidoptera.

Ein französisches Beispiel:

Die ersten beiden Begriffe „Schmetterlinge“ und „Entomologie“ sind Stichwörter, soviel kann man sich zusammenreimen. Dann folgt der Titel. Wer mit den französischen Gepflogenheiten vertraut ist, kommt vielleicht darauf, daß „Katalog Grund“ eine Fehlübersetzung von „Catalogue raisonné“ sein könnte. Dazu paßt „… der Lepidoptera …“. Was dann kommt, ist skurril: „Holzausströmer“. Diesen Begriff aus der Aquaristik mußte ich erst nachschlagen. Mit dem Buch hat er nichts zu tun.
Aufklärung bringen erst die beigefügten Fotos der Titelseite: Es handelt sich um den „Catalogue raisonné des Lépidoptères du département des Bouches-du-Rhône et de la région de la Sainte-Baume“ von Siépi.
Lektion 3: Die Mündung (Bouches-du-Rhône = Rhônemündung) ist bei Ebay ein Holzausströmer.

Auch hübsch: Die Zelt-Entscheidungsträger.

Lösen sich ganz profan als „tent-makers“ auf:

Und da steht dann auch drunter:

„Die Beschreibung dieses Artikels erfolgte durch automatische Übersetzung.“

Wahrscheinlich ist es müßig, zu überlegen, was die Ebay-Macher geritten haben mag, so einen Blödsinn einzurichten. Haben sie nicht gemerkt, welcher Müll da produziert wird? Haben sie unbrauchbare Wörterbücher verwendet, um Geld zu sparen? Warum erlauben sie den Benutzern nicht, die Funktion abzuschalten?
Wahrscheinlich ignorieren sie die Beschwerden, die jetzt dutzendweise eingehen müssten, so wie das große Internet-Konzerne immer machen. Solange es noch genügend Kunden gibt und der Rubel rollt, gibt es keinen Grund, Fehler zu beseitigen. Vielleicht sind die meisten Nutzer schon zu abgestumpft und gleichgültig gegenüber Fehlübersetzungen, weil das ganze Internet voll davon ist.

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Eine Antwort zu „Widerlich Homburg“ und Scan-Pest – Warum ebay nicht mehr ist, was es mal war

  1. Achateule schreibt:

    Ich bekam schon Kopfschmerzen vom Nicken… Aber die gräßlichen automatischen Übersetzungen gibt es auch bei Etsy. FURCHTBAR!
    Ja, Ebay war mal toll. Ich habe dieses Jahr im März das Verkaufen aufgegeben, weil ich mich gefühlt 100mal verifizieren mußte, ständig Captchas ausfüllen mußte und der Kundendienst wie immer Antworten gab, die mit dem Problem nichts zu tun hatten. Dazu kam noch die Änderung der Zahlungsbedingungen – und das war es dann für mich.
    Allerdings habe ich auch als Käufer mit den Zahlungsbedingungen Probleme – es gibt nun mal noch Leute ohne PayPal oder Kreditkarte. Naja, schon Geld gespart…

    Liken

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